Lippe
Lippes Gewässer im Wandel: Was der Kreis für den Wasserschutz unternimmt
01.November · Detmold Connect Redaktion

Die Bega in Dörentrup ist ein Beispiel für ein renaturiertes Gewässer im Kreis Lippe.
Fotograf: Kreis Lippe · Bildquelle: Kreis Lippe
Kreis Lippe. Bäche, Flüsse, Teiche und Seen prägen die Landschaft in Lippe. Doch wie gut geht es den heimischen Gewässern? Die Untere Wasserbehörde des Kreises Lippe begleitet ihre Entwicklung und setzt sich dafür ein, die Wasserqualität zu verbessern und natürliche Lebensräume zu erhalten. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Nach dem trockenen Sommer erholen sich die Pegelstände in der Region derzeit nur langsam. Unabhängig davon arbeitet die Untere Wasserbehörde daran, die Gewässer langfristig ökologisch aufzuwerten und gesetzliche Vorgaben mit den Anforderungen des Umwelt- und Naturschutzes in Einklang zu bringen. „Vor 40 Jahren stand vielfach die Reinhaltung der Gewässer im Vordergrund. Heute liegt der Fokus nicht nur auf der Verbesserung der Wasserqualität, sondern insbesondere auf der Entwicklung des ökologischen Potenzials der Gewässer“, erklärt Rüdiger Kuhlemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises Lippe. EU-Richtlinie gibt die Ziele vor Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie wurde im Jahr 2000 verabschiedet. Sie legte erstmals europaweit einheitliche Ziele für den Zustand von Flüssen, Seen und Grundwasser fest. Oberirdische Gewässer sollen einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen. Dazu gehört nicht nur sauberes Wasser, sondern auch ein möglichst intakter Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Nordrhein-Westfalen veröffentlichte 2010 den ersten Bewirtschaftungsplan zur Umsetzung der Richtlinie. Darin sind Maßnahmenprogramme und verbindliche Bewirtschaftungsziele festgelegt. Der Plan wurde inzwischen zweimal fortgeschrieben. Die dritte Fortschreibung für den Zeitraum 2028 bis 2033 soll das Land spätestens im Dezember 2027 vorlegen. Jeder zehnte Kilometer erreicht einen guten ökologischen Zustand In Lippe wurden im Rahmen der Umsetzung 50 Gewässer mit einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern bewertet. Die Ergebnisse zeigen Fortschritte, machen aber auch deutlich, dass noch Arbeit vor den Verantwortlichen liegt. Auf einer Strecke von 62,3 Kilometern erreichen die Gewässer inzwischen einen guten ökologischen Zustand. Das entspricht rund 10,3 Prozent. Im Jahr 2012 lag der Anteil noch bei weniger als fünf Prozent. Damit liegt Lippe nach Angaben der Unteren Wasserbehörde leicht über dem bundesweiten Vergleichswert von acht bis zehn Prozent. Noch besser fällt die Bilanz beim chemischen Zustand aus: Rund 81 Prozent der lippischen Gewässer erreichen hier eine gute Bewertung. „Die Ziele der WRRL haben wir in Lippe mittlerweile bei zehn Gewässern erreicht, unter anderem bei der Strothe, der Kalle und der Passade“, berichtet Jürgen Benning von der Unteren Wasserbehörde. Projekt „Wasser im Fluss“ als wichtiger Baustein Einen wesentlichen Beitrag zur Gewässerentwicklung leistet das Beschäftigungsprojekt „Wasser im Fluss“. Dabei kümmern sich Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt um Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung der heimischen Gewässer. Die bisherige Bilanz: Rund 600 Maßnahmen konnten bereits umgesetzt werden. Weitere 100 Maßnahmen sind geplant. Das Projekt bezeichnet der Kreis als lippisches Alleinstellungsmerkmal. Woran erkennt man ein gesundes Gewässer? Ob ein Gewässer ökologisch intakt ist, lässt sich unter anderem an der Vielfalt seiner Tier- und Pflanzenwelt erkennen. Dabei werden beispielsweise Fischbestände, Insekten und Algen untersucht. Als Vergleich dienen möglichst natürliche Gewässer ähnlicher Beschaffenheit. In Deutschland gibt es insgesamt 25 Gewässertypen, die bei der Bewertung berücksichtigt werden. Größe, Lage, Strömung und weitere natürliche Eigenschaften bestimmen, welche Anforderungen für einen guten ökologischen Zustand erfüllt werden müssen. Auch der chemische Zustand wird regelmäßig überprüft. Das Landesumweltamt untersucht dafür die Konzentration von 50 ausgewählten Chemikalien. Werden die festgelegten Grenzwerte nicht überschritten, kann ein Gewässer in diesem Bereich als gut eingestuft werden. Die Entwicklung zeigt: Der Schutz der lippischen Gewässer ist eine langfristige Aufgabe. Die bisherigen Fortschritte sind ein wichtiger Schritt, bis zur Erreichung der europäischen Umweltziele bleibt jedoch noch einiges zu tun.
Quelle: Kreis Lippe
